Interessengemeinschaft (IG Rosenheim) der Krieger-, Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim e.V.
Interessengemeinschaft (IG Rosenheim)der Krieger-, Veteranenvereine und Soldatenkameradschaftenim Landkreis Rosenheim e.V.

Normandie/Cornwall Reise

Unsere Reisegruppe auf dem deutschen Soldatenfriedhof

 

 

Landkreisveteranen besuchten Normandie, Insel Jersey und englische Südküste

 

(1)   Auch in diesem Jahr hatte die Interessensgemeinschaft der Veteranenvereine des Landkreises Rosenheim unter Federführung von Obmann Pius Graf ein außergewöhnliches, besonders interessantes Reiseprogramm zusammengestellt. Vom 18. bis 27. Juni besuchten 38 Wissbegierige zunächst die Bretagne und Normandie mit einem Abstecher auf die Kanalinsel Jersey, um dann mit einer Fähre überzusetzen an die englische Südküste. Die sichere Busreise gewährleistete unser Fahrer Pauli, der unterstützt von Anya und Pius auch für das leibliche Wohl sorgte. Bevor wir mit der Champagne französisches Gebiet und dann Reims erreichten, überraschte uns das Serviceteam mit einer warmen Brotzeit, die abwechslungsreich während der gesamten Reise um die Mittagszeit angeboten wurde. Dazu kredenzten die drei frisches, gezapftes Maxlrainer Bier, das seinem ausgezeichneten Ruf in jeder Hinsicht gerecht wurde.

Das Ende der ersten Etappe ist mit Reims, wo wir im Hotel Campanile „unterkommen“, erreicht. Zuvor wird die berühmte Kathedrale Notre-Dame, in der am 8.7.1962 General de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer die Wiederversöhnung Deutschlands mit Frankreich besiegelten. Das sich jetzt im gotischen Baustil darstellende Gotteshaus wurde um 406 erbaut, veränderte jedoch durch äußere Einflüsse des Öfteren seine Gestalt, bis es zwischen 1211 und 1280 sein heutiges Aussehen erhielt. Notre-Dame gilt als nationales Heiligtum, in dem zahlreiche Könige Frankreichs geweiht wurden.

 

(2)  Der zweite Tag findet uns auf dem Weg nach Rouen, der alten Hauptstadt der Normandie mit seinen sakralen Bauten und stolzen Bürgerhäusern, viele noch als mittelalterliche Fachwerkgebäude erhalten. Die Fremdenführerin Sylvia Seron beschreibt uns anschaulich die Schönheiten ihrer Stadt und führt uns auch zum Marktplatz, auf dem Jeanne d‘ Arc im Alter von 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannte wurde. Heute steht dort eine moderne Kirche.

Beeindruckend sind die schroffe Steilküste und die interessanten Felsformationen von Etretat, wo wir uns eine Pause zum Spazierengehen gönnen, bevor wir Caen und damit das Hotel Mercure zur Übernachtung erreichen.

 

(3)  Heute erleben wir einen der Höhepunkte der Reise: Besuch der weltberühmten Abtei Mont-Saint-Michel. Bereits bei Annäherung mit dem Shuttle-Bus sind wir beeindruckt vom kolossalen Bauwerk und seiner Erhabenheit auf dem Mont-Tombe, einer Felseninsel im Wattenmeer. Die Geschichte von Le Mont-St-Michel zu Ehren des Erzengels soll zwar im Jahre 708 begonnen haben, jedoch ließen sich erst im 10. Jh. Benediktiner in der Abtei nieder. Unterhalb entwickelte sich im 14. Jh. ein Dorf mit uneinnehmbarer Befestigungsanlage, ein Beispiel herausragender Militär-Architektur. Sie trotzte jedem englischen Ansturm und verlieh dem Berg Symbolwert für die  nationale Identität Frankreichs.

Der hervorragend deutsch sprechende Fremdenführer Alain Carmoy erläuterte uns Details der Geschichte und Architektur der Anlage.  Besonders erwähnenswert sind Abteikirche, Kreuzgang, Refektorium (Speisesaal der Mönche), St.- Martins-Krypta und Rittersaal (trägt Kreuzgang u. diente als Arbeits- und Studierraum der Mönche).

Alain Carmoy begleitet uns auch bei der Führung durch die bretonische, völlig von einer massiven Mauer umgebene Korsarenstadt Saint-Malo, unserem nächsten Etappenziel. Düster und schwer erheben sich Mauern und Häuser aus Granit hinter dem eher lieblich anmutenden Jachthafen. Chateau, das Schloss der bretonischen Herzöge im 15./16. Jh. erbaut, befindet sich an der Nahtstelle zum Festland und beherbergt heute Rathaus und Museum. Ein berühmt/berüchtigter Sohn der Stadt ist der im Auftrag des französischen Königs als „Pirat tätige“ Korsar Robert Surcouf, dem ob seines Erfolges ein Denkmal gesetzt wurde. Ähnlich wurde des Kanada-Entdeckers Jacques Cartier gedacht, der in der Kathedrale St.-Vincent ruht. Übernachtet wird im Brit Hotel Le Transat in Saint-Malo.

 

(4)  Eine Fähre bringt uns anderntags auf die britische Kanalinsel Jersey vor der Küste der Normandie. Mit einem dort gecharterten Bus wird vom Hafen Elisabeth aus eine Stunden dauernde Inselrundfahrt unternommen. Fremdenführer Charles Mix erzählt uns viel über seine Wahlheimat und auch, dass er ein paar Jahre für die „Münchner Rück“ tätig war. Neu war für uns, dass die Polizisten auf Jersey ehrenamtlich tätig sind – so auch er als Dienststellenleiter der Inselpolizei. Die Kanalinsel untersteht zwar der britischen Krone, verfügt aber über eigene Gesetzgebung, Verwaltung und eigenes, völlig unabhängiges Steuersystem. Der Golfstrom bewirkt ein mildes Klima, so dass durch die mediterrane Vegetation dort u.a. Palmen, Drachenbäume und Kamelien wachsen. Nachdem bedingt durch Ebbe im Jachthafen kein Wasser ist und die Boote im Trockenen liegen, forschen Pius Graf und Konrad Häußler nach, ob nicht jemand den „Stöpsel gezogen“ hat. In Saint-Malo wird (zu unserer Erleichterung) ein zweites Mal übernachtet.

 

 

(5)  Uns steht – psychisch gesehen – ein schwerer Tag bevor: Besuch einer der Landungsbuchten zur Zeit der Invasion der Alliierten östlich der Halbinsel Cotentin. Vom wieder zu uns gestoßenen Alain Carmoy erfahren wir, dass sich die Landung der amerikanischen, britischen, kanadischen, französischen und polnischen Soldaten am 6.6.1944 über eine Küstenbreite der Normandie von 80 km erstreckte. Im Morgengrauen landeten in einer ersten Angriffswelle 156.000 Soldaten in 3.100 Landungsbooten an fünf verschiedenen Stränden (Tarnnamen: Utah, Omaha, Gold, Sword, Juno) unterstützt durch den Feuerschutz von 1.200 Kriegsschiffen und 7.500 Flugzeugen. In weiteren militärischen Operationen beteiligten sich schließlich 330.000 alliierte Soldaten mit 54.000 Fahrzeugen – eine gewaltige Armada, die später auf 836.000 Mann aufgestockt wurde! Den Oberbefehl hatte US-General Dwight D. Eisenhower.

Schreckliche Zahlen: Historiker sprechen von nahezu einer halben Million Soldaten, die auf beiden Seiten umkamen! Dabei darf auch das vielfache Leid der französischen Zivilbevölkerung nicht vergessen werden. Hier geht man von etwa 20.000 Opfern aus. Angaben über Verwundete und deren Spätfolgen lassen sich realistisch nicht erheben.

Mit diesem belastenden Wissen betreten wir die Deutsche Kriegsgräberstätte von La Cambe und passieren dabei die berühmt gewordene Pfarrkirche von Saint Mère-Èglise. An den Ecktürmen der Kirche verfing sich am D-Day der US-Fallschirmspringer John Steele, der das Kampfgeschehen verletzt überlebte.

Tief in Gedanken versunken, der vielen Opfer gedenkend und hoffend, dass die Menschheit vor solch dramatischen, katastrophalen Ereignissen verschont bleiben möge, versammeln wir uns zu einem Erinnerungsfoto an der Gedenkstätte. Mir fallen Worte des amerikanischen Präsidenten Roosevelt am Tag der Invasion ein: „…Die Dunkelheit wird von Lärm und Flammen zerrissen, die Seelen der Männer werden durch die Gewalt des Krieges erschüttert sein.“

Wir besichtigen Bunkeranlagen, die teilweise von gewaltigen Kräften zerlegt wurden, aber immer noch erahnen lassen, wie schrecklich und unvorstellbar hier die Schlacht getobt haben muss. Entsetzen erfasst uns auch im Kriegsmuseum, wo Kampfhandlungen realistisch, optisch und ohrenbetäubend dargestellt werden. Unvergessliche und berührende Eindrücke!

Noch in Gedanken steuert uns Pauli Richtung Cherbourg, von wo aus wir mit der Fähre übersetzen nach Poole an der englischen Südküste, um dann im Hotel Village in Bournemouth zu übernachten.

 

(6)  Während der Busfahrt freuen wir uns schon auf ein weiteres Highlight der Reise: Weltkulturerbe Stonehenge – mehr als 4500 Jahre alt. Ein Shuttle-Bus bringt uns zum Informationszentrum, wo wir unsere Audioführer in Empfang nehmen. Damit erfahren wir:

Stonehenge besteht aus einer Grabenanlage, die von einer aus mehreren konzentrischen Steinkreisen gebildeten Megalithstruktur umgeben ist. Die beiden auffälligsten Steinkreise sind der äußere Kreis aus von Decksteinen überbrückten Pfeilersteinen, sowie die innere hufeisenförmige Struktur aus ursprünglich fünf Trilithen (je zwei Tragsteine, die von einem Deckstein überbrückt werden). Dazwischen befinden sich weitere Strukturen aus kleineren Steinen sowie Löchern im Boden.  Wissenschaftler und Historiker befassten und befassen sich ständig mit dem geheimnisvollen „Steinhaufen“, ohne Herkunft und Bedeutung bisher konkretisieren zu können. Es kommt ein Gemenge aus Sagen, Legenden und Phantasien zustande, aber auch eine Verbindung zum Zauberer Merlin sowie der Artussage.

Pauli fährt uns zur Universitätsstadt Exeter, wo uns Fremdenführerin Sandra Kington durch den herrlichen Park entlang der ehemaligen mittelalterlichen Stadtbefestigung begleitet und manch Wissenswertes von sich gibt. Beeindruckend sind auch die gepflegten Fachwerkhäuser und historischen Gaststätten, hier „Inn“ genannt. Absolut sehenswert ist die Kathedrale von Exeter, ist sie doch eine der großartigsten Kathedralen Englands und eines der besten Beispiele des gotischen Baustils. Erbaut wurde sie ab 1114 zunächst im normannisch-romanischen Stil. Das ununterbrochene mittelalterliche Steingewölbe ist mit einer Länge von 96 m das längste der Welt.

Anschließend durchfahren wir den Dartmoor-Nationalpark und sind begeistert von der Weite der gepflegten Landschaft, was ihr ein parkähnliches Aussehen verleiht. Schafe, Pferde und Ponys beleben das eindrucksvolle Bild, zumal die Tiere völlig unbekümmert auch die Fahrbahn zum Ausflug nutzen.

Historische Sehenswürdigkeiten wechseln ab  mit unberührter Landschaft mit fast mythischer Atmosphäre, Inspirationen für Sherlock Holmes (Der Hund von Baskerville) und Schauplatz vieler Rosamunde-Pilcher-Filme.

Wir erreichen unser nächstes zweitägiges Domizil, das Hotel Glendorgal in Newquay, unmittelbar an der steil abfallenden Felsenküste der Keltischen See gelegen.

 

(7)  Die nächste Exkursion führt uns entlang der cornischen Küste in den äußersten Südwesten nach  St.Ives und Land’s End sowie St. Michel‘s Mont an der Bucht von Penzance. Heute begleitet uns Jilly Hellermann und erläutert uns die Schönheiten der Halbinsel, einschließlich des westlichen Punkts von England, Land’s End. Von ihr erfahren wir, dass bis kurz vor der Jahrhundertwende auf Cornwall Bergbau betrieben wurde, nämlich der Abbau von Kupfer und Zinn. Davon zeugen noch heute ruinenartige Gebäude und Brennkamine. Dann erreichen wir Land’s End an der Steilküste des Atlantiks, wo wir uns auch eine Brotzeit – natürlich wiederum mit einem frischgezapften Maxlrainer – schmecken lassen. Die zufriedenen Gesichter sind ein deutlicher Beweis, dass der Reisegesellschaft der Ausflug gefallen und das heimischen Bier gemundet hat. Am Strand von Penzance sehen wir auf St Michael’s Mount, das Gegenstück zu Mont St.-Michel bei St.-Malo. Leider ist wegen der noch anhaltenden Flut eine Begehung des Damms und damit Besichtigung der monströsen Burganlage nicht möglich.

So kommen wir – wiederum die zauberhafte Landschaft des Dartmoor-Nationalparks durchquerend –   frühzeitiger zurück ins Hotel, von wo aus jeder noch eine private Exkursion machen kann.

 

(8)  Auch Brighton ist eine Reise wert: Berühmt sind die Pieranlagen und die mondäne Strandpromenade. Überrascht waren wir jedoch, dass neben den beiden Sehenswürdigkeiten auch eine Art Rummelplatz (etwas größer als das Rosenheimer Herbstfest) – auf einem großen Landungssteg installiert –  Besucher anzieht. Mehr noch gefällt uns während einer Erkundung an unserem freien Nachmittag die imposante, handwerklich beeindruckende, nahezu filigrane Stahl-Glas-Konstruktion des Bahnhofs. Vom Hotel Jurys Inn schlendern wir durch die Gärten der Altstadt und entlang der Strandpromenade einschließlich des schon erwähnten Vergnügungsparks auf dem Brighton-Pier. Hier lasse ich die Bilder für sich sprechen.

Zur Auflockerung besuchte eine kleine Gruppe der Reisegesellschaft ein Pub in der Nähe unseres Hotels Jurys Inn.

 

(9)  Wir bleiben noch in Brighton und besichtigen den berühmten Royal Pavilion, bevor wir über Lüttich die Heimreise antreten. Den Royal Pavilion ließ der Fürst von Wales, Georg IV. in den Jahren 1815 bis 1822 im Seebad Brighton in England von Architekt John Nash erbauen. Seine Vorbilder waren die Mogulpaläste in Indien, mit seiner Innenausstattung im chinesischen Stil gehört der Pavilion zu den exotischsten Palästen in Europa. Nach dem Tod des Erbauers George IV im Jahre 1830 wurde der Palast zwar noch von seinem Nachfolger, William IV. benutzt. Königin Victoria aber besuchte ungern Brighton und bedauerte den Mangel an Privatsphäre in dem bereits 1841 von der Eisenbahn erschlossenen Seebad. Ab 1845 plante die Regierung deshalb, den Palast zu verkaufen. 1850 ging er für £53,000 an die Stadt Brighton. In der Folge diente das Gebäude zu Versammlungszwecken, im Ersten Weltkrieg dann als Lazarett für verwundete Soldaten aus Indien und Westindien. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Stadt große Anstrengungen unternommen, den Pavillon originalgetreu zu restaurieren.

Leider dürfen vom Inneren des Pavilions keine Aufnahmen gemacht werden und brauchbare Ansichtskarten standen nicht zur Verfügung. Das gesamte Ensemble (Pavilion, Brighton Museum & Art Gallery, Unitarian Church), welche einen wunderschönen Park umschließt ist wirklich sehenswert.

 

Entlang der Südküste , bei der uns Verteidigungsanlagen wiederum an den II. Weltkrieg erinnern, erreichen wir über Folkstone Dover, wo die Fähre uns mitsamt Bus nach Calais zum europäischen Festland übersetzt. In Lüttich (Liege/Belgien) übernachten wir im Hotel Husa De LA Couronne.

 

(10)  Auch heute sind wir schon früh auf den Beinen bzw. im Bus, um die Heimreise fortzusetzen.

Das Hotel liegt gegenüber dem Bahnhof, dessen Architektur (wie auch bei anderen Gebäuden) futuristisch anmutet.Wir lassen unsere Gedanken nochmals die letzten 10 Tage Revue passieren und erfreuen uns am Irschenberg des herrlichen Blicks auf das Inntal und die Berge: Daheim ist es doch am schönsten!

 

Lutz Ellermeyer – 7/15

 

Hinweis: Die in Klammern gesetzten Ziffern (1) – (10) entsprechen den einzelnen Tagen der Reise.

              Die Bilder wurden diesen Ziffern (= Tagen) zugeordnet.

Herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserer IG

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