Interessengemeinschaft (IG Rosenheim) der Krieger-, Veteranenvereine und Soldatenkameradschaften im Landkreis Rosenheim e.V.
Interessengemeinschaft (IG Rosenheim)der Krieger-, Veteranenvereine und Soldatenkameradschaftenim Landkreis Rosenheim e.V.

75. Gedenkfeier auf der Kampenwand

30.08.2026

Wie jedes Jahr fand am letzten Sonntag im August die traditionelle Gedenkmesse auf der Kampenwand, bei der Steinling Alm an der Kapelle „Maria, Königin des Friedens“ am Fuße des Gipfelkreuzes, statt. Die Besonderheit in diesem Jahr war, dass es die 75. Gedenkmesse für die Gefallenen und Vermissten auf der Kampenwand war.

Ausrichter war in diesem Jahr die Gemeinde Höslwang, die maßgeblich an der Errichtung des Gipfelkreuzes beteiligt war, gemeinsam mit der Gemeinde Aschau im Chiemgau.

 

In diesem Jahr wurden wir wieder mit strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen sowie einer guten Fernsicht belohnt.

 

Zahlreiche Krieger- und Soldatenkameradschaften von der IG Rosenheim und vom Chiem- und Rupertigau, Gebirgsschützen, Fahnenabordnungen verschiedener Vereine sowie ein Ehrenzug des 231. Gebirgsjägerbataillons aus Bad Reichenhall zogen von der Steinling Alm zur Kapelle. 

Im Prolog erinnerten Kinder vom Trachtenverein „Edelweiß“ Niederaschau an die Geschichte des Chiemgau-Kreuzes: Der Höslwanger Zimmerer Franz Schaffner sen. fasste, nach seiner glücklichen Heimkehr aus dem Weltkrieg, gemeinsam mit dem Schmied Josef Hell den Entschluss, ein dauerhaftes stählernes Kreuz zu schaffen, nachdem des Vorgängerkreuz durch einen Blitzschlag zerstört wurde. Das Kreuz wurde aus Kriegsschrott hergestellt und der massive Sockel erstand aus Stahlplatten eines alten Panzers. So entstand das weithin sichtbare, 12 Meter hohe Kreuz, als weithin sichtbares Zeichen des Friedens. Die Kinder schlossen den Prolog mit den Worten: „Möge es auch in Zukunft zum Frieden mahnen“.

 

Der Bürgermeister der Gemeinde Aschau, Hr. Simon Frank, begrüßte die zahlreichen Gäste. den Zelebrant, Kardinal Reinhard Marx, die Konzelebranten Paul Jansen, Ortpfarrer von Aschau, und Pater Vasile Dior, Pfarradministrator von Höslwang, zahlreiche Vertreter aus der Politik, Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die Landräte Andreas Danzer aus Traunstein und Otto Lederer aus Rosenheim, sowie Mandatsträger und Vertreter aus Behörden und Verbänden. Er erinnerte daran, wie zerbrechlich der Frieden, auch in Europa, ist, was wir gerade leidvoll erfahren. Der Frieden lebt von gegenseitigem Respekt, von Verantwortung und von der Bereitschaft Brücken zu bauen.

 

 

 

 

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nannte in ihrem Grußwort die Kampenwand einen Ort, der Menschen miteinander verbindet. Frieden und Versöhnung müssen aber immer wieder neu errungen werden. Dazu gehört, dass man im Alltag respektvoll miteinander umgeht, füreinander einsteht und wachsam bleibt.

Den Gottesdienst eröffnete Kardinal Reinhard Marx mit den Worten: „Der Friede sei mit euch“! In seiner Predigt bezeichnete der Erzbischof von München und Freising das Kreuz auf dem Ostgipfel als Zeichen der Hoffnung und des Nicht-Vergessens. Es ist eine eindrucksvolle Geschichte, die Gott sei Dank weitergeht, dass Menschen an diesem Ort seit Jahrzehnten zum Gedenken an die Gefallen und Vermissten zusammenkommen. Er fand aber auch kritische Worte zur aktuellen politischen Situation: „Wir brauchen keine Schlafwandler an der Spitze unseres Staates, sondern wir brauchen aufmerksame, wache Menschen, die Verantwortung auf allen Ebenen übernehmen.“ Er lenkte aber auch den Blick darauf, wie viele Menschen sich in der Zeit von 1933 bis 1945 den Nationalsozialisten angepasst und wie wenig Widerstand geleistet hätten. Auch heute dürfe man gegenüber Nationalismus, Egoismus und der Ausgrenzung anderer nicht gleichgültig werden. Er zitierte Charles de Gaulle: „Wir sind Patrioten nicht Nationalisten“. Patriotismus ist die Liebe zu den Seinen, Nationalismus ist der Hass auf die Anderen. In seinen Schlussworten rief er zu Miteinander und nicht Gegeneinander, zu Erinnern und nicht zu Vergessen und vor allem zu Frieden und Versöhnung auf. Die Zeitenwende sei, anders als ursprünglich gedacht, ein Schrei nach Frieden!

Für die feierliche, musikalische Gestaltung der Gedenkmesse sorgten die Aschauer Alphornbläser, die Musikkapelle Aschau im Chiemgau und die Chiemgauer Sänger. Den Ehrensalut übernahm die Gebirgsschützenkompanie Aschau.

 

Die Schlussworte kamen von Dr. Peter Mayer, dem Bürgermeister von Höslwang. Er erinnerte an die enormen Anstrengungen, die erforderlich waren, um das Gipfelkreuz transportieren und aufstellen zu können, wobei er dabei noch auf persönliche Erzählungen seines Opa zurückgreifen kann. Im Namen der beiden ausrichtenden Gemeinden Höslwang und Aschau überreichte er Kardinal Marx einen Präsentkorb und einen Bergrucksack. Er bedankte sich bei Baron Ludwig von Cramer-Klett, auf dessen Grund die Feier stattfand, sowie bei der Kampenwandbahn für deren Unterstützung. Abschließend bedankte er sich bei den zahlreichen Helferinnen und Helfern, bei allen Beteiligten, den Ortsvereinen, den Fahnenabordnungen, den Ordnungs- und Rettungsdiensten sowie den anwesenden Ehrengästen, Verbänden und Traditionsvereinen. Insbesondere bedankte er sich für die sehr gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Aschau, die die erfolgreiche Ausrichtung erst möglich gemacht hat.

Mit Ehrensalut durch die Gebirgsschützenkompanie Aschau wurden zum Abschluss zwei Kränze niedergelegt, zum einen von der Bundeswehr, vertreten durch Oberstleutnant Mike Zimmermann vom 213. Gebirgsjägerbataillon aus Bad Reichenhall, und zum anderen von den Veteranenvereinigungen der Landkreise Traunstein und Rosenheim, vertreten durch Anton Linner und Pius Graf.

 

Die Gedenkfeier fand ihren würdigen Ausklang beim anschließend gemütlichen Beisammensein in der Steinlingalm.

 

Text: Albert Maier
Bilder: Max Heilmann, Albert Maier

Eindrücke von der 75. Gedenkfeier auf der Kampenwand in Bildern:

Herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserer IG

Druckversion | Sitemap
© Pius Graf